Junge Leute braucht die Wirtschaft!

Meiner Meinung nach geht die Reformierung des deutschen Bildungswesens viel zu langsam vonstatten. Studiengebühren, Bologna; alles Pillepalle! Hier ist das was Deutschland wirklich braucht.
Mit 3 Jahren wird Mandy gegen ein monatliches Entgelt von 300 – 5000€ (je nach Qualität der Schule) eingeschult. Ab diesem Alter wird die 50-Stunden-Woche eingeführt. Acht Jahre verbringt sie in der Schule, wo sie von morgens bis abends mit Faktenwissen vollgestopft wird. Ist sie danach noch nicht zu erledigt, um diese Praxis kritisch zu hinterfragen, wird sie in ein Umerziehungslager verlegt, wo sie 20 Jahre Zwangsarbeit zu absolvieren hat. Nach dem Abitur (Mandy ist mittlerweile 11 Jahre alt) steht der Bachelor-Studiengang auf dem Plan. Hat sie bis dahin noch nicht Selbstmord begangen, wird für sie die 84-Stunden-Woche eingeführt. Um dieses Pensum einhalten zu können, werden Samstag und Sonntag zu regulären Wochentagen erklärt. Muss sie nebenbei noch jobben, um sich die Studiengebühren (3000 – 50000€, je nach Qualität der Universität) zu verdienen, muss sie eben ein wenig länger aufbleiben. Nach weiteren zwei Jahren hat sie mit 13 einen Bachelor. Damit kann sie Schreinerin, Müllfrau oder Verkäuferin bei Lidl werden. Fühlt sie sich zu Höherem berufen, macht sie in einem weiteren Jahr (in dem die Stundenzahl pro Woche noch einmal auf 98 erhöht wird) ihren Master. Damit könnte sie zum Beispiel Bürokauffrau oder Sekretärin werden. Wenn das Mandy immer noch nicht reicht, macht sie einen Ph.D., für den sie bei der gewohnten 98-Stunden-Woche 2 Jahre braucht.
Nun hat Mandy einen Doktortitel, und das mit 16 Jahren! Damit stehen ihr alle Türen zu Ruhm und Reichtum offen! Jetzt kann sie Anwältin werden und im Namen der Musikindustrie bettelarme Leute in den Ruin klagen oder in eine Partei eintreten und die wenigen noch vorhandenen grundlegenden Bürger- und Menschenrechte abschaffen.
Wenn Mandy 30 Jahre alt ist, ist sie ökonomisch nicht mehr tragbar. Sie hat keinen Elan und keine neuen Ideen mehr, und ihre Taschenfalten und ihr Verwesungsgestank vergraulen alle Kunden. Deswegen gehört Mandy jetzt zum Alteisen. Was ein Glück, dass sie in 30 Jahren genug gearbeitet hat, um sich nicht nur eine Villa, zwei Pools und 25 pflichtschuldige Haussklaven zu kaufen, sondern auch noch 9,6 der Senioren über 30 mitzuernähren.
Wir gratulieren Mandy und schütteln angewidert ihre knochige Hand, in der wir schon Maden auszumachen scheinen.

~ von eckenundkanten am April 30, 2008.

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